Hier finden Sie Antworten auf Ihre Fragen

Heute steht Jugendlichen eine größere Anzahl an Ausbildungsmöglichkeiten zur Verfügung als je zuvor. Das ist einerseits erfreulich, weil es zahlreiche Chancen bietet. Andererseits macht es den Markt unübersichtlich. Das kann schnell zu Überforderung führen – bei Jugendlichen wie bei Eltern. Nutzen Sie deshalb die vielfältigen Angebote, die es zur Information gibt, und bleiben Sie mit Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter im Gespräch. Schließlich handelt es sich um eine weitreichende Entscheidung.

Warum ist es wichtig, dass ich mein Kind bei der Berufswahl unterstütze?

Gibt es denn nicht in der Schule schon alle wichtigen Informationen?

Die Schule kann nur bedingt auf die individuellen Fähigkeiten der Jugendlichen eingehen. Es ist deshalb wichtig, dass Sie auch in der Familie bei der Orientierung helfen.

Auch wenn Ihre Kinder bereits im jugendlichen Alter sind, haben Eltern einen größeren Einfluss auf ihre Kinder als oft angenommen. Kein Wunder, denn Sie leben Ihrem Nachwuchs täglich vor, was es bedeutet, einen Beruf auszuüben. Mit Ihrer Erfahrung können Sie verschiedene Alternativen aufzeigen und den jungen Leuten die eigenen Stärken verdeutlichen.

Ab wann soll ich mich mit dem Thema Berufswahl beschäftigen?

Es gibt kein festes Datum, das Sie sich rot im Kalender markieren müssen. Weil die Berufswahl eine wichtige Entscheidung ist, ist es aber sinnvoll, Zeitdruck zu vermeiden. Berufsberaterinnen und -berater empfehlen, das Thema spätestens in dem Jahr vor dem Schulabschluss zur Sprache zu bringen. So haben Ihr Kind und Sie ausreichend Zeit, um sich ein Bild von den verschiedenen Möglichkeiten zu machen, in Gedanken unterschiedliche Wege durchzuspielen und vielleicht auch schon Erfahrungen in dem einen oder anderen Praktikum oder Ferienjob zu sammeln. Auf www.planet-beruf.de finden Sie einen Zeitplan, der hilft auf dem Weg von Beginn der Orientierungsphase bis zur Bewerbung wichtige Termine im Blick zu behalten.

Welche Ausbildung könnte für mein Kind geeignet sein?

Eine betriebliche Ausbildung ist grundsätzlich für jeden Jugendlichen geeignet. Bei der großen Vielfalt an Berufen findet auch Ihr Kind mit Sicherheit ein passendes Angebot. Hat es Interesse an Zahlen und Organisation, eignet sich vielleicht ein kaufmännischer Beruf oder ein Beruf im Dienstleistungsbereich besonders gut. Hat es ein großes Herz für hilfsbedürftige Menschen, bietet sich einer der verschiedenen sozialen Berufe an. Ist es eher praktisch veranlagt und technisch interessiert, findet es in der Industrie oder im Handwerk zahlreiche Ausbildungsangebote. Für Kontakt- und Reisefreudige sind Hotel- und Gaststättengewerbe eine interessante Branche.

Berufsorientierungstests im Internet, bei der Arbeitsagentur oder der Industrie- und Handelskammer vor Ort geben weitere Orientierung. Wenn über eine grundlegende Ausrichtung entschieden wurde, kann mit der Wahl des Berufs, einer Fachrichtung in diesem Beruf und mit Zusatzqualifikationen ein individuelles Ausbildungspaket für Ihr Kind geschnürt werden.

Kann mein Kind jede Ausbildung absolvieren? Gibt es Zugangsvoraussetzungen?

Nur in wenigen Berufen gibt es formale Zugangsvoraussetzungen, wie einen bestimmten Schulabschluss. Informieren Sie sich am besten gemeinsam mit Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn, ob dies für den favorisierten Beruf gilt.

Viele Ausbildungsbetriebe erwarten von den Bewerberinnen und Bewerbern aber einen bestimmten Schulabschluss oder gute Noten in einigen Schulfächern. Wenn Ihr Kind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, kann es den Betrieb vielleicht bei einem Schnuppertag oder Praktikum von sich überzeugen. Interesse und Zuverlässigkeit können schulische Schwächen oft wettmachen. Hier lohnt es sich, wenn Ihr Kind direkt beim Betrieb nachfragt. Trotzdem ist es sinnvoll, wenn sich der Ausbildungsberuf an Talenten und Interessen Ihres Kindes orientiert, die sich auch in den Schulnoten ausdrücken können.

Ist mein Kind dann auf seinen Beruf festgelegt?

Eine Berufsausbildung ist der Einstieg in das Arbeitsleben, danach stehen Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn alle Wege offen. Im Anschluss kann es weitergehen mit einem Direkteinstieg in den Job, einer berufsbegleitenden Aufstiegsweiterbildung zum Meister oder Fachwirt, einem Studium oder einer Selbstständigkeit. Auch auf eine Branche ist man nach der Ausbildung nicht festgelegt: Als Bankkaufmann ist man beispielsweise mit seinen kaufmännischen Kenntnissen auch in Industrie- und Dienstleistungsunternehmen gefragt. Gerade Aufstiegsweiterbildungen vermitteln Kenntnisse, die in vielen Betriebe und Tätigkeiten gebraucht werden und eröffnen so weitere berufliche Perspektiven.

Welche Vorteile bietet eine Ausbildung gegenüber einem Studium?

Eine Ausbildung bietet die einmalige Verbindung von Berufspraxis im Ausbildungsbetrieb und Vermittlung von theoretischem Wissen in der Berufsschule. Die Betreuung in Betrieb und Schule ist viel persönlicher und enger als in den meisten Studiengängen. Bereits während der Ausbildung oder nach deren Abschluss gibt es dann praxisnahe Weiterbildungsmöglichkeiten, zum Beispiel zum Meister oder Fachwirt, die Studentinnen und Studenten so nicht haben. Die Karrierechancen mit einer dualen Ausbildung sind ausgezeichnet: Die Betriebe in Baden-Württemberg suchen deutlich mehr beruflich Qualifizierte als Akademiker.

Eine Ausbildung schließt ein späteres Studium nicht aus. Im Gegenteil: Mit praktischen Kenntnissen und Berufserfahrung fällt es oft viel leichter, den Inhalten im Studium zu folgen.

Wie bewirbt man sich denn heute überhaupt?

In den meisten Fällen wünschen sich Arbeitgeber immer noch ein Bewerbungsschreiben, einen tabellarischen Lebenslauf, Kopien der Schulzeugnisse und, falls vorhanden, Bescheinigungen über Praktika oder über ehrenamtliches Engagement. Der Lebenslauf muss nicht mehr handschriftlich verfasst werden.

Wie die Unternehmen die Bewerbungsunterlagen geschickt bekommen möchten, ist unterschiedlich: Manche möchten die Unterlagen per Post, andere als pdf-Datei per E-Mail. Vor allem größere Unternehmen haben auf ihrer Internetseite Bewerbungsportale, die genutzt werden sollen. Für eine erfolgreiche Bewerbung ist wichtig, in der Stellenanzeige oder auf der Unternehmenswebsite genau nachzulesen oder zu erfragen, wie das Unternehmen die Bewerbung bekommen möchte und sich danach zu richten.

Wieviel soll ich bei der Bewerbung helfen?

Das hängt von der Eigenständigkeit Ihrer Tochter oder Ihres Sohnes ab. Viele Jugendliche haben bereits eine recht gute Vorstellung davon, in welche Richtung es gehen soll. Andere wiederum benötigen mehr Hilfestellung. Bieten Sie Unterstützung an, und zeigen Sie sich gesprächsbereit. Erklären Sie, wie wichtig es ist, dass die Bewerbung auch formal in Ordnung ist. Das digitale Bewerbungstraining auf www.planet-beruf.de hilft dabei, die eigenen Unterlagen professionell zu gestalten.

Mein Kind lehnt meine Hilfe ab. Was jetzt?

Hinter einer solchen Haltung verbergen sich oft Unsicherheiten. Manche Jugendlichen sind von der Situation überfordert und ziehen sich eher zurück. Suchen Sie trotzdem aktiv das Gespräch. Fragen Sie nach persönlichen Interessen und Lieblingsfächern. Was macht Ihrem Kind Spaß? Konzentrieren Sie sich dabei immer auf die Stärken, nicht auf die Schwächen. Wenn Sie trotzdem nicht weiterkommen, besteht kein Grund zur Panik. Jetzt lohnt es sich, einen externen Berufsberater ins Boot zu holen. Manchmal hilft die professionelle Distanz einer Beratung den Jugendlichen, sich zu öffnen. Unter 0800 4 555500 können Sie kostenlos einen Beratungstermin bei der Arbeitsagentur vereinbaren. Dasselbe ist persönlich in der Arbeitsagentur in Ihrer Nähe möglich.

Was, wenn mein Kind keinen Ausbildungsplatz bekommt?

Nicht immer klappt es direkt mit dem Platz im Wunschausbildungsgang. Sie können das Risiko minimieren, indem Sie sich rechtzeitig mit den Anforderungen vertraut machen. Dazu gehören Schulnoten genauso wie persönliche Fähigkeiten und Praxiserfahrung. Empfehlenswert ist außerdem, sich mit ähnlichen Ausbildungsmöglichkeiten auseinanderzusetzen. Viele Fachrichtungen sind weniger bekannt, passen aber vielleicht noch besser zu den Interessen Ihres Sohnes oder Ihrer Tochter. Schauen Sie nicht nur in Ihrem Heimatort, sondern ziehen Sie auch andere Regionen in Erwägung. Vielleicht gibt es dort genau das richtige Angebot.

Um alle Möglichkeiten auszuschöpfen, empfehlen wir die Berufsberatung der Agentur für Arbeit frühzeitig einzuschalten. Sie entwickelt mit Ihrem Kind berufliche Alternativen und unterstützt es dabei, seinen Berufswunsch zu realisieren. (Tel: 08004555500 gebührenfrei) 

Mein Kind hat einen ausländischen Schulabschluss, möchte aber eine Ausbildung in Baden-Württemberg machen. Was muss ich tun?

Wenn Ihr Sohn oder Ihre Tochter einen Schulabschluss aus dem Ausland hat, müssen Sie diesen anerkennen und mit einem deutschen Abschluss gleichstellen lassen. Dafür gibt es eine zentrale Stelle in jedem Bundesland. In Baden-Württemberg ist es das die Zeugnisanerkennungsstelle des Regierungspräsidiums Stuttgart.  

Über folgende Adresse finden Sie wichtige Ansprechpartner, grundsätzliche Infos und weitere Links:

  • anabin.kmk.org Infoportal zu ausländischen Schulabschlüssen mit Hochschulzugangsberechtigung

Falls Ihr Kind bereits über einen Berufsabschluss verfügt, empfehlen wir Ihnen folgende Adresse: